„Projekt 52 Wochen“ 30

Stufen

 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

 

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

 

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.

 

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

 

( Hermann Hesse )

 

 

Ins Leben gerufen hat Zeilenende das Projekt.

Weitere Teilnehmer sind:

Multicolorina

Solera

Wili

Gertrud

29 Gedanken zu “„Projekt 52 Wochen“ 30

    1. Schön das es Dich inspiriert hat, Gertrud 🙂 wobei ich es nicht nur in Bezug auf das Altern sehe….sondern allgemein….nie aufhören neugierig auf das Leben zu sein….immer vorwärts schauen….und neues entdecken…. 🙂

      Gefällt mir

      1. Das ist einfach so, wie ich weiter oben schon angedeutet habe….je nachdem welche Lebensthemen man selbst grad bewegt….so schaut man in die Welt…. 😉

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  1. Ach, welch Wohltat, das zu lesen!
    Ich fühle mich Hermann Hesse sehr verbunden…sein Konterfei blickt mir schließlich auch täglich von meinem Wohnzimmer-Highboard aus entgegen. 🙂

    Besonders die auf den ersten Blick düsteren, melancholisch stimmenden Gedichte mag ich, da sie doch immer irgendwo das Licht am Ende des Tunnels aufzeigen. Man muss es nur sehen wollen und der vordergründig vorherrschenden Dünsternis entreißen.

    Die Kindheit (aus: Das Lied des Lebens; Hermann Hesse)

    Du bist, mein fernes Tal,
    verzaubert und versunken.
    Oft hast du mir in Not und Qual
    empor aus deinem Schattenland gewunken
    und deine Märchenaugen aufgetan,
    dass ich entzückt in kurzem Wahn
    mich ganz zu dir zurück verlor.

    O dunkles Tor,
    o dunkle Todesstunde,
    komm du heran, dass ich gesunde
    und dass aus dieses Lebens Leere
    ich heim zu meinen Träumen kehre!

    Gefällt 1 Person

    1. Vom Lebensbeginn zum Lebensende den Bogen schlagen….und das in dieser Kürze….das kann glaub nur Hermann Hesse….wobei es glaub nicht so düster ist, wie es daher kommt, ja….durch das einem das Lebensende hin und wieder bewusst wird…je älter man ist desto mehr….macht es Mut das LEBEN zu feiern!

      Gefällt 1 Person

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