Pfleg dich – am besten selbst

Dieser Beitrag von Zeilenende hat mich nachdenklich gemacht
Ich finde ja das, wenn es um Berufe geht, die Pfleger/innen ganz weit vorn stehen in der Heldenriege – und das sage ich nicht nur weil ich selber mal eine war 😉 oder vielleicht sage ich es gerade weil ich mal eine war….denn die Abläufe dort sind mir nur zu vertraut….
Die Strukturen in diesem Bereich sind alles andere als optimal….der / die einzelne pflegt andere bis zur eigenen Grenze der Belastbarkeit, und weit darüber hinaus. Ist jemand krank schaffen die anderen für ihn / sie mit, sind somit noch mehr belastet….können aber diese Über-stunden nicht abfeiern, da sie weiter in dieser Maschinerie miss- oder gebraucht ( da bin ich mir manchmal nicht ganz sicher ) werden. Und schwupps hat der / die nächste Urlaub und alle anderen treten wieder ordentlich das Hamsterrad an, damit es in Bewegung bleibt….
Und durch meinen kürzlichen Krankenhausaufenhalt habe ich mit Schrecken beobachtet wie symptom-fixiert jede! Schwester gearbeitet hat….jedes gute, persönliche Wort wurde meistens schon im Ansatz erstickt, weil die Schwester weiterhuschen musste. Die eine Schwester schaffte es mehr, die andere weniger es beseelt rüber zu bringen….
Das Dauergetute nach der Schwester auf dem Flur konnte ich nur schwer ignorieren…als ehemalige Pflegerin bin ich darauf konditioniert darauf zu re-agieren…von daher fiel es mir nur sehr schwer es zu ignorieren…
Jede dort tätige Person lebt also mit diesem Dauergetute….eine ganze Schicht lang….das man da abstumpft, nebst der Überforderung jedes Tuten abzuarbeiten, ist absehbar….und äussert sich darin das Menschen, die um Hilfe klingeln ewig warten müssen bis jemand nach ihnen schaut….
Ich hatte direkt nach der OP mal geklingelt, in etwa Dringlichkeitsstufe 3,5 ;-), hörte dann eine Stimme aus der Anlage was denn sei….nach kurzer „HUCH….was ist das denn Starre“ teilte ich dem Apparat mein Anliegen mit….womit plötzlich wieder die Stimme kam „Ich versteh sie so schlecht…“….und das war dann auch für lange lange Zeit das letzte was kam…mittlerweile hatte ich mein Anliegen schon selbst mühsam gelöst…
Was um himmelswillen ist da los in einem Bereich wo es um die Pflege von Menschen geht, die dies kurzfristig ( Krankenhaus ) oder langfristig  ( Pflegeheim ) nicht selbst können…
Wie kann es sein das Personal selbst out-burnt, nur um andere zu pflegen….wie kann es sein das so etwas nach wie vor in dieser kurzfristigen Denke gefangen ist…warum ist es nicht möglich Personal ressourcenschonend einzusetzen, so das der einzelne langfristig einsetzbar und willens ist….was sind das für Institutionen, die sich in Rankings und weichgespülten Bewertungen bewegen, derweil das Personal psychisch und physisch überlastet ist…..
Ich setze mal lieber kein Fragezeichen hinter meine Gedanken….denn Antworten darauf wird es nie geben….

17 Gedanken zu “Pfleg dich – am besten selbst

      1. Dabei ist es doch gar nicht so schwer zu organisieren….einen Pool von Menschen schaffen, wo jeder sich individuell, so wie es ihm möglichst ist, einbringt…..wobei die Pflege dieses Pools natürlich auch dazu gehört das man sich hin und wieder erkenntlich zeigt bzw. auch Zeichen der Anerkennung setzt…..

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    1. Ja, die Alterspyramide ist schon mehr am kippen als wir bisher meinen….und ich erahne die Strukturen unter der Spitze des Eisbergs…. :-/ …meine persönliche Prognose ist ja eh das es extrem viele Demente geben wird….Handystrahlung etc., der wir ausgesetzt sind haben enorme Auswirkungen auf’s Gehirn….wer kümmert sich dann um Menschen die sich selbst vergessen haben und somit essen, trinken,…..
      Aber: vielleicht ist ja die aktuelle Flüchtlingssituation die Antwort auf viele Fragen….

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  1. Ich freu mich ja, dass ich dich zu was inspiriert habe. Ich äußere mich ja auch hin und wieder zur Pflegesituation, auch wenn mich eher die Begriffe umtreiben und die Demenz als die Situation der Pflegenden. Ich weiß, dass es eine Initiative gibt, die gleich das ganz schwere Geschütz auffährt und dem Personal vorwirft, unverantwortlich zu handeln, womit sie prinzipiell recht haben, aber die Leute wahrscheinlich nicht anspricht.
    Ich bin von der Idee der Ehrenamtler ja nicht sonderlich begeistert, weil es das Problem des Personalmangels nicht löst. Ich begrüße solches Engagement, aber nur dann, wenn es ein Zusatzangebot ist und nicht den Betrieb am Laufen hält. Dafür sollten die Pflege-Einrichtungen verantwortlich sein.
    Ansonsten steckt so viel Wahres in deinem Beitrag, dass ich ihn einfach unterschreibe.

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    1. Danke Dir 🙂

      Aber das mit der Initiative verstehe ich nicht ganz!?

      Als ich meine Ausbildung im ambulanten Dienst machte war ich zum Praktikum in einem recht gut geführten Pflegeheim. Und da klappte es wunderbar mit Ehrenamtlichen die mit einigen spazieren gingen, den Dementen Essen eingaben, Spielenachmittage anboten….kurzum: sie schenkten den Oldies einfach Lebenszeit…gefüllt mit Aktivitäten, wie sie durch Pflegekräfte niemals angeboten werden könnten…..grundsätzlich gebe ich Dir also Recht das für die Grundversorgung die Institution zuständig ist 🙂

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      1. Ich finde den Link gerade nicht, sobald ich ihn habe, lasse ich ihn dir zukommen. Kurz gesagt ist das Argument Folgendes: Die Pflege ist wie von dir beschrieben krass überfordert, aber statt dagegen aufzubegehren, kümmern sich die Pflegenden lieber nich um einen Bewohner, schieben unbezahlte Überstunden und sind total überarbeitet, riskieren damit potentiell Menschenleben. Das ist unverantwortlich. Noch unverantwortlicher ist die Haltung: Ich muss das tun, weil sich sonst keiner kümmert. Gegen diesen Teufelskreis aufzubegehren ist das Ziel der Initiative. Und deshalb der provokante Vorwurf an das Pflegepersonal, unverantwortlich zu handeln.
        Was dein Beispiel angeht: Dafür gibt es eigentlich 87b-Kräfte, um den Grundbedarf an Versorgung abzudecken. Und dann hat es den sozialen/therapeutischen Dienst, also das, was ich gemacht habe/mache. Wobei ich denke, dass man da auch nicht zu sreng trennen sollte. Als Bezugspersonen sollten auch die Pflegenden Betreuungsleistung wahrnehmen können, weil die ohnehin viel Zeit mit den Altchen verbringen. Und ich finde, dass soziale Zuwendung Teil der Grundversorgung ist. Wenn das Heim dann noch gemeinsame Liedernachmittage, große Ausflüge, etc. anbieten möchte, dann kommen die Ehrenamtler ins Spiel, aber vorher sollte es für solche Leistungen Geld geben.

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      2. Das der Pflegende als Bezugsperson möglichst viele Leistungen abdecken sollte steht ohne Frage….wobei eigentlich während den alltäglichen Verrichtungen ( aufstehen, Körperpflege, Transfers, Toilettengänge, Behandlungspflege ) Raum sein dürfte / müsste….wer da ein bisschen beseelt dran geht sollte es eigentlich schaffen.

        Wenn ich so Dinge anspreche spreche ich von jetzigen Strukturen und was man als bestes rausholen kann….und dazu tönt dieser Initiativen Aufruf sehr interessant…..das das Personal mal aufbegehrt ist dringend notwendig….muss ja nicht gleich ’ne Revolte draus werden…aber klare Ansagen…

        Von meinem Ideal überschaubare Wohngemeinschaften zu gründen, wo das Pflegepersonal allein Bezugsperson(en) ist, indem man den ganz normalen Alltag mit Essen planen, einkaufen, zubereiten, Spaziergänge etc. gestaltet, das ganze evtl. noch in einer Mehrgenerationen Siedlung ist man weit entfernt….wobei da schon recht gute Ansätze sind…. 🙂

        Und das es auch anders geht sieht man an meinem Beispiel:

        Ich habe meinen Beruf geliebt und als stellvertretende Vorgesetzte in der Tagespflege für Senioren hatte ich viele Freiheiten meinen Oldies eine schöne Zeit zu gestalten. Das schönste war wo ich für ein Jubiläum und eine Adventsfeier Impro Theater mit einigen einstudiert habe….hach…..das war so herzig…die Zeit der Vorbereitung ( kööööstlich die für das Jubiläum mit psssst….wir studieren da was ein und die Chefin darf nix mitkriegen 🙂 ), aber es ist eben nicht überall so…erst recht nicht in Pflegeheimen und Krankenhäusern….SATT UND SAUBER Prinzip….und selbst das oftmals noch nicht mal….wenn Dementen in der Hetze immer mal wieder ein Löffel eingeschoben wird, derweil die Pfleger weiter hetzen….ach jeee…..aber auch das habe ich mit meinen Oldies thematisiert: ein Impro Theater über Misstände in Pflegeheimen…. 🙂

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      3. Ja, es war auch lustig…aber nicht nur das….ich fand’s unheimlich toll wie die Oldies meine, zugegeben etwas freakige Idee für Senioren, aufgegriffen und umgesetzt haben….und alle hatten einen Riesenspass daran….und sie haben ihre Sache richtig richtig toll gemacht.

        Das ganze zeugt natürlich von guter Beziehungspflege….sie mochten mich und hatten Vertrauen in mich und in sich…. 🙂

        Au fein, bin gespannt auf DEIN Pflegeideal 🙂

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    1. Durch die eigenen Kinder gepflegt zu werden ist natürlich das allerbeste, denn die kennen Vorlieben und Abneigungen, so das selbst Demente noch irgendwie sie selbst sein können 🙂

      Es macht einem Angst, ja….aber wie bei vielem ist es so das man sich nicht voreilig verrückt machen sollte….ich bin ja der felsenfesten Überzeugung das das Universum es grundsätzlich gut meint….und es wird Lösungen geben, auch was die kippende Alterspyramide angeht…..vielleicht liegt die Lösung ja tatsächlich in der jetzigen Flüchtlingsdebatte….

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  2. Ich bin in der Beziehung zugegebenermaßen ein absoluter Laie. Aber wenn ich sehe, wie seit Jahren die Gesundheitskosten explodieren, befürchte ich, dass eine intensivere Pflege kaum noch bezahlbar wäre…
    Nachos Leinenhalter Achim

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